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Schule am Osterberg
Geschichte der Schule

Zur Geschichte der Schule am Osterberg

Natürlich gab es in Bovenden schon lange vor der Entstehung unserer Schule eine andere Schule: die Volksschule. Diese Schulform war über einen sehr langen Zeitraum in ihrer Grundstruktur unverändert geblieben. Sie umfasste der allgemeinen Schulpflicht entsprechend die Klassenstufen eins bis acht. Erst in den sechziger Jahren begann eine Veränderung der Schullandschaft, die sich auch auf Bovenden auswirkte. Aus der Volksschule wurden zwei Schulformen, die Grundschule sowie die Hauptschule, die Schulpflicht wurde im Bereich der allgemeinbildenden Schulen auf neun Jahre heraufgesetzt.

In Bovenden wurde etwa zeitgleich mit diesen Veränderungen ein neues modernes Gebäude errichtet, die heutige Grundschule. Dieser Bau beherbergte bis zur Einführung der Orientierungsstufe in Bovenden im Jahre 1980 die Hauptschule mit den Jahrgängen fünf bis zehn (auch ein freiwilliges zehntes Schuljahr mit der Möglichkeit zum Erwerb des Realschulabschlusses war inzwischen eingerichtet worden!) sowie eine angebundene Grundschule.

Zwei Jahre nach dem Einzug der Orientierungsstufe in den wunderschönen Neubau am Wurzelbruchweg folgte 1982 nach der Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes die inzwischen als eigenständige Schulform etablierte Haupt- und Realschule. Damit konnten endlich die Kinder aus Bovenden sowie den Ortsteilen auch eine Realschule vor Ort besuchen.

Der 1. August 1982 war somit der Geburtstag unserer Schule!

- Anzumerken sei an dieser Stelle, dass es auf Grund von Einsprüchen von Anliegern auf der nördlichen Seite unseres heutigen Schulgeländes zu einer Verzögerung des Neubaus sowie zu einer Veränderung der Grundstückslage gekommen war. -

Der erste Leiter der neuen Haupt- und Realschule war Herr Jahns, der zuvor schon lange Jahre die Hauptschule geführt hatte. Einen Konrektor gab es zunächst nicht, da der ehemalige Konrektor, Herr Pieper, die Leitung der Orientierungsstufe übernommen hatte. Erst 1984 bekam unsere Schule mit Herrn Winnefeld den ersten Konrektor, die längst fällige Entlastung für Herrn Jahns wurde damit möglich.

Ein besonderes Verdienst von Herrn Jahns bestand darin, dass er die völlig neue Aufgabe der Integration zweier unterschiedlicher Kollegien mit Erfolg bewältigte. Darüber hinaus musste  sich ja auch die Zusammenarbeit mit der Orientierungsstufe im Alltag bewähren, denn die gemeinsame Nutzung eines Gebäudes durch zwei selbstständige Schulen erforderte sowohl Organisationstalent als auch zuweilen Kompromissbereitschaft.

 

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1986 übernahm Reinhard Winkler als Nachfolger von Herrn Jahns die Leitung der HRS und fand eine gut funktionierende Schule vor. Der Realschulzweig war inzwischen komplett, d.h., er umfasste die Klassenstufen von sieben bis zehn.

1989 wurde über Herrn Winkler die Partnerschaft mit einer englischen Schule in Dursley gegründet. Seitdem findet in regelmäßiger Folge ein gegenseitiger Schüleraustausch statt, an dem im Laufe der Jahre insgesamt mehrere hundert Schüler teilgenommen haben.

Zu Beginn der Neunziger Jahre erreichte die „technische Revolution“, der Computer, endlich auch die Schulen.

Eine rasche,  effektive Integration in den Schulalltag wurde allerdings durch mangelnde Fortbildungsmöglichkeiten sowie die Altersstruktur des Kollegiums erschwert. Diese war wie bei vielen anderen Schulen auch geprägt durch ein hohes Durchschnittsalter und eine geringe Altersstreuung.

Der Spruch: „Unser Jüngster wird fünfzig!“ kam der Realität zumindest sehr nahe. In dieser Zeit waren naturgemäß auch Schwangerschaftsurlaube von Kolleginnen unbekannt, was die Personalplanung zwar etwas einfacher gestaltete, zugleich jedoch bedeutete, dass die Schüler-innen vergeblich auf junge Gesichter warten mussten.

Nach der Pensionierung von Herrn Winnefeld zum 31.07.1994 trat Herr Kork sein Amt als stellvertretender Schulleiter an. Als Hauptproblem für die Schulleitung erwies sich in den nachfolgenden Jahren die Erhaltung der Schülerzahlen und damit langfristig natürlich auch die Sicherung des Schulstandorts.

Auf Grund einer geänderten Schullandschaft (Integrierte und Kooperatve Gesamtschule in Göttingen) sowie einer ständig zunehmenden gymnasialen Quote veränderte sich unsere Schülerzahl deutlich.Sie schwankte zwischen ca. 300 und ca. 200!

Die alljährliche Sorge um die Anmeldezahlen veranlasste dann auch Herrn Winkler wiederholt zu jenem Seufzer: „Wenn wir keine zwei Realschulklassen kriegen, können wir uns nur erschießen!“ Für das zu jener Zeit etwa zwanzigköpfige Kollegium bedeutete natürlich jede Verringerung der Klassenanzahl, dass jemand versetzt oder zumindest abgeordnet werden musste.

In diese Zeit fiel leider auch ein Ereignis, durch das unsere Schule vorübergehend bundesweit Negativschlagzeilen machte: Einer in den Niedersächsischen Landtag lancierten Information zu Folge sollte es an unserer Schule anlässlich eines Besuches von Vertretern einer Sinti-Organisation zu rechtsradikalen sowie rassistischen Äußerungen gekommen sein.

Darüber hinaus hätten Schüler in Gesprächen mit den Besuchern erzählt, ein Großteil unserer Schüler sei bewaffnet, teilweise sogar mit Pistolen. Leider wurden diese Behauptungen vom Kultusministerium ungeprüft an die Presse weitergegeben! Bei der anschließenden Klärung der Vorwürfe stellte sich heraus, dass sie sämtlich falsch waren!

Als Wiedergutmachung stattete der damalige Kultusminister Wernstedt unserer Schule einen Besuch ab, in dessen Verlauf er sich für die falschen Behauptungen entschuldigte und dieses mit der Feststellung verband, an unserer Schule würde eine sehr gute Arbeit geleistet, gerade auch im Bereich der Aufklärung über rechtsradikale Gefahren.

Der positive Höhepunkt in der Folge der „Wiedergutmachungsaktionen“ war jedoch eine Live-Übertragung des NDR Fernsehens aus unserer Schule, mit der auch in der Öffentlichkeit der gute Ruf der HRS Bovenden  bestätigt wurde!

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Ein Novum - nicht nur für unsere Schule - war die Tatsache, dass unser langjähriger Hausmeister, Herr Kamerer, nach seiner Verabschiedung im Jahr 1995 durch eine Frau, unsere heutige Hausmeisterin Frau Behrens, ersetzt wurde. Beide waren bzw. sind mit großem Einsatz für unsere Schule tätig.

Nach einer mehrjährigen Phase der Konsolidierung vermehrten sich am Ausgang des vergangenen Jahrhunderts die Anzeichen für eine bevorstehende nachhaltige Änderung der Schulen. Plötzlich war die Abschaffung der Orientierungsstufen nur noch eine Frage der Zeit und die Forderungen nach Ganztagsschulen wurden immer lauter.

Herr Winkler, der aus eigener Erfahrung wusste, wie  abhängig unsere Schule von den Entscheidungen der Eltern ist, machte sich sehr früh im Kollegium für die Umwandlung in eine Ganztagsschule stark, um damit den Bestand unserer Schule langfristig zu sichern. Die Gesamtkonferenz folgte 2001 seiner Empfehlung und stellte den Antrag auf die Errichtung einer Ganztagsschule. Diese wichtige Weichenstellung, die Herr Winkler entscheidend vorbereitet hat, erweist sich heute als außerordentlich glücklich für unsere Schule.

Im folgenden Jahr, im Juli 2002, ist Herr Winkler nach sechzehn Jahren als Schulleiter in den verdienten Ruhestand gegangen und konnte daher „seine“ Schule nicht mehr als Ganztagsschule leiten.

Seine Nachfolgerin, Frau Dettleff-Rohmann, begann ihre Arbeit zu einem Zeitpunkt, als sich die Entwicklung des Schulsystems schlagartig mit großer Dynamik entwickelte. Die Bundesregierung stellte Finanzmittel in erheblichem Umfang zur Verfügung, um die Einrichtung von Ganztagsschulen nachhaltig zu fördern, gleichzeitig wurde in Niedersachsen die Auflösung der Orientierungsstufen schon für 2004 beschlossen

Nachdem der Landkreis Göttingen als Schulträger im Januar 2003 der Einrichtung einer Ganztagsschule in der HRS sowie OS Bovenden zugestimmt hatte, ging diese im August des gleichen Jahres an den Start, wobei sich das offene Ganztagsangebot zunächst an die Klassen 5-7 richtete.

Da Herr Pieper als Leiter der OS im Juli 2003 verabschiedet worden war, wurde die OS in ihrem letzten Jahr von der Schulleitung der HRS kommissarisch geleitet. Im ersten Jahr nahmen ca. 110 Kinder am Ganztagsangebot teil, die meisten  von ihnen aßen mittags in der neu eingerichteten Mensa.

Die außerunterrichtlichen Angebote am Nachmittag umfassten von Anfang an ein sehr breites Spektrum: verschiedene Sportarten, Musik, Tanz, Theater, Werken und Basteln, Computerkurse,… Ein Schwerpunkt der Ganztagsarbeit lag dabei allerdings immer auf Förderangeboten sowie der Hausaufgabenbetreuung. In den letzten beiden Jahren ist die Nachfrage nach Förderkursen gerade in den höheren Klasen deutlich gestiegen. Dem tragen wir weitestgehend Rechnung, wobei inzwischen auch SchülerInnen der höheren Klassen in den unteren Klassenstufen Förderarbeit leisten, es gibt sogar eine Hausaufgabenbetreuung durch Schüler der  HRS an der Bovender Grundschule!

Seit dem 1. Januar 2004 wird der Freizeitbereich von zwei neu eingestellten Sozialarbeitern, Frau Rust und Herrn Vehmeier-Tönges,  professionell betreut, ein großer Fortschritt, von dem die ganze Schule profitiert.

Aus dem gleichen Jahr ist noch zu berichten, dass die HRS nach vielen vergeblichen Anläufen im Laufe langer Jahre endlich einen Namen erhalten hat. Mit einem  großen Schulfest wurde am 7.10. der neue Name übernommen: Schule am Osterberg.

Noch im gleichen Jahr wurde der dringend  erforderliche Anbau für den Freizeitbereich genehmigt. Er ist inzwischen fertiggestellt und hat die Gestaltungsmöglichkeiten für den Ganztagsbetrieb erheblich verbessert.

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Kurz danach wurde im Dezember 2004 das neue Kleinspielfeld eingeweiht, welches ebenfalls seit vielen Jahren geplant gewesen war, aber erst jetzt mit Fördermitteln des Bundes realisiert werden konnte.

Dieser Multifunktionsplatz hat sich seitdem sehr gut bewährt, er ist fast ständig belegt.

Im Februar 2005 wurde unsere Schule erstmals als Humanitäre Schule ausgezeichnet, eine besondere Anerkennung, die sie sich mit verschiedenen Aktivitäten und Projekten, in denen sie sich für die Menschlichkeit engagiert hatte, verdient hat.

Das folgende Jahr 2006 brachte mit der Schulinspektion im März zunächst eine große Herausforderung, die erfreulicherweise von der ganzen Schule mit Bravour gemeistert wurde, das Ergebnis darf in aller Bescheidenheit als hervorragend bezeichnet werden.

Im Juli 2006 wurde die Schule mit einer weiteren Auszeichnung belohnt. Schüler/innen einer achten Realschulklasse hatte in dem bundesweiten Mathematikwettbewerb eines Schulbuchverlages den ersten Preis gewonnen!

Nach den Sommerferien wurde nach einer langen Beratungs-, Entscheidungs- und Planungsphase bei uns die erste Integrationsklasse an einer weiterführenden Schule in der Trägerschaft des Landkreises eingerichtet.

Das gemeinsame Interesse aller Beteiligten hatte zu einer letztendlich für die Behinderten guten Lösung geführt.

Inzwischen ist für Eltern, Lehrkräfte und Betreuungskräfte klar, dass dieses Modell sehr gut funktioniert, und zwar auch für die nichtbehinderten Kinder in der Klasse!

Im September des gleichen Jahres wurden in Zusammenarbeit mit der Polizei die ersten BusScouts ausgebildet.

Die BusScouts sind nach einem Training befähigt, aggressives Verhalten in Schulbussen auf friedliche Art und Weise zu beenden bzw. aggressives Verhalten bereits im Ansatz zu unterbinden.

Einen besonderen Höhepunkt erreichte die Anerkennung der an unserer Schule geleisteten Arbeit in diesem Jahr, als wir im März 2007 vom niedersächsischen Kultusminister mit dem neunten Platz im niedersächsischen Hauptschulpreis ausgezeichnet wurden!

Die letzten Jahre unserer Schulgeschichte waren geprägt durch eine Fülle von Veränderungen, neuen Herausforderungen und Mehrbelastungen, geprägt aber auch durch neue, positive Erfahrungen, die zeigen, dass es sich lohnt, Schule zu verändern.

Natürlich darf die Schule nicht zum Spielball der Bildungspolitiker werden, die Bereitschaft zu maßvollen und nach Praxiserfahrungen sinnvollen Veränderungen sollte sich jedoch jede Schule auf Ihre Fahne schreiben.

Wir werden in diesem Sinne weiterarbeiten! 

 

Herwarth Kork    

 

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